Angela Richter (c) Hilmar Traeger

ANGELA RICHTER

Regisseurin

Angela Richter ist Theaterregisseurin und Autorin. Seit 2013 ist sie eine von vier Hausregisseuren des Schauspiels Köln. Intensiv befasst sie sich mit dem Thema ‘Digitale Überwachung’. Mit ihrem daraus resultierenden Theaterabend „Supernerds“, der im Mai 2015 aufgeführt und parallel im WDR-Radio und -Fernsehen übertragen wurde, trifft die 1970 in Ravensburg geborene Regisseurin mit kroatischen Wurzeln einen Nerv beim Publikum und erreichte so große Aufmerksamkeit für ihre Arbeit. Damit das Theaterpublikum die Ernsthaftigkeit der Thematik von „Supernerds“ am eigenen Leib erfahren kann, werden während der Aufführung ihre Mobiltelefone gehackt. Das Projekt wird um eine noch immer aktive Webseite sowie das Buch ‘Supernerds’ ergänzt, in dem Teile von Gesprächen, die Angela Richter mit Whistleblowern und Überwachungsexperten führt, zusammengefasst sind.

„Supernerds“ ist ein Destillat ihrer regelmäßigen Gespräche mit Whistleblowern und Überwachungsexperten wie Edward Snowden und Julian Assange oder Daniel Ellsberg, dem Herausgeber der ‘Pentagon Papers’.

Aufgrund ihrer regelmäßigen, ausführlichen Gespräche mit Julian Assange entsteht ihr Stück „Assassinate Assange“ bei jeder Aufnahme neu.

Mit ihrer Arbeit möchte Angela Richter die Zuschauer aufklären und wachrütteln. Als Regisseurin vermittelt sie ihre Botschaften indirekt. Der Zuschauer muss aus dem Gesehenen eigene Schlüsse ziehen. Richters Inszenierungen liegen zwischen Performance und gesellschaftlicher Recherche. Ihre Theaterabende entstehen meist aus Interviews und Material, dass sie auf intensiven Recherchereisen gesammelt hat und das sie nicht selten dramaturgisch zuspitzt. Ihre Art der Arbeit bezeichnet der Intendant des Schauspiels Köln, Stefan Bachmann, in Anlehnungen an den Reportage-Stil von Hunter S. Thompson, als „Gonzo-Theater“.

Da ihre Theaterarbeit journalistischen Recherchen gleicht und umgekehrt, ist Angela Richter auch als Autorin tätig. So stehen Essays für den ‘Spiegel’, die Kunstzeitschrift ‘Monopol’, als auch Artikel und Interviews für die von Andy Warhol gegründete ‘Interview’ oder für ‘Revue – magazine for the next society’. Bei Diskussionsrunden zur digitalen Überwachung ist sie ein gefragter Gast.

Angela Richter gelangt erst über Umwege zur Theaterregie. Obwohl schon durch das Schultheater angefixt, findet sie doch erst über den Umweg eines artfremden Studiums während einer Hospitanz zu ihrer wahren Berufung. Sie studiert bei Jürgen Flimm an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg und arbeitet seit 2001 als Regisseurin. Von 1996 bis 2000 ist sie Mitglied der Hamburger Künstlergruppe Akademie Isotrop. 2006 gründet sie das Fleetstreet Theater in Hamburg, das sie bis 2010 leitet.

Für ihre Inszenierung von „Der Fall Esra“ auf Kampnagel in Hamburg erhält sie 2009 den Rolf-Mares-Preis. Mit “Supernerds” ist sie für den “Rocky Award” bei dem kanadischen Banff World Media Festival nominiert.

Ihre Produktion SILK ROAD, ein Ausflug auf die Tote Seidenstraße des Darknet, wurde 2016 am Schauspiel Köln uraufgeführt.